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Orden für Deserteure 60 Jahre später Im Juli 1989 Künstler im Kreis Coesfeld angesprochen: Friedensversammlung mit Kulturausschreiben Kunstwerke zum Thema „Deserteure" Kreis Coesfeld. Ein großes Kulturausschreiben startet jetzt angeregt durch die Friedens-initiative Nottuln - die Friedensversammlung des Kreises Coesfeld. Alle künstlerisch tätigen Bürger des Kreises und darüber hinaus ruft die Friedensversammlung auf, sich mit dem Thema „Deserteure" auseinanderzusetzen und dazu ein Kunstwerk zu erstellen, das im Herbst in Ausstellungen und anderen Kulturveranstaltungen präsentiert und veröffentlicht wird. Dieses Kulturausschreiben - so hofft Annette Peters von der Friedens-initiative Nottuln - soll möglichst viele Menschen zum Nachdenken und Diskutieren über dieses brisante und lange tabuisierte Thema anregen. Mindestens 100000 deutsche Soldaten desertierten nach Information der Friedens-initiative Nottuln im 2. Weltkrieg. 15000 von ihnen seien nachweislich der Nazi-Mordjustiz zum Opfer gefallen. Die Motive der Deserteure sind dabei sehr unterschiedlich gewesen: religiöse Gründe politische Überzeugung, individuelles Gewissen oder einfach nur die Angst vor dem Sterben. Gemeinsam sei ihnen jedoch eines gewesen. Annette Peters: „Sie spielten nicht mehr mit in der Nazi Kriegsmaschinerie, die Europa und andere Teile der Welt mit Krieg und Terror überzog." Bereits im November 1988 fand eine Ausstellung zum Thema „Deserteure" im Museum in Gelsenkirchen statt. Diese Ausstellung traf auf eine unerwartet große Resonanz in der Öffentlichkeit. Die Kulturausschreibung für den Kreis Coesfeld wird geplant und durchgeführt mit den Nottulner Künstlern Stefan Krogmann und Philipp Marquardt, die beide schon in Gelsenkirchen mitarbeiteten. Krogmann und Marquardt weisen darauf hin, das wirklich alle die künstlerisch arbeiten - sei es in Bild Text, Musik oder sonstigem Material, sei es professionell oder als Amateur - sich beteiligen können. Dabei werden natürlich völlige Freiheit für Form und Inhalt gelassen. Krogmann: „Gerade sehr vielfältige und auch unkonventionelle Assoziationen sind ausdrücklich erwünscht." „Was für Nöte und Gewissensqualen" Deserteure - Ausstellung im Haus der Vereine / Stellvertretender Bürgermeister Holland: Erweitert das Blickfeld Ist sie nicht und kann sie auch nicht sein, die Ausstellung „Deserteure – kein Land auf das ich schwöre", die am Sonntag gemeinsam von der Friedensinitiative Nottuln und der Friedensversammlung des Kreises Coesfeld im Haus der Vereine an der Stiftsstraße eröffnet wurde. Zu unterschiedlich wird noch heute - Jahrzehnte nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs - Desertion beurteilt. Vaterlandverrat, Fahnenflucht sagen da die einen. Vorbildhaft, sie spielten nicht mehr mit in der Nazi-Kriegsmaschinerie, die Europa und andere Teile der Welt mit Krieg und Terror überzog, loben die anderen. Den Konflikt, in dem auch wohl mancher Betrachter der vielfach eindrucksvollen Arbeiten von Künstlern aus dem Münsterland und Ruhrgebiet steht, verschwieg auch Nottulns stellvertretender Bürgermeister Gerd Holland nicht. In seiner Ansprache zur Eröffnung ließ er aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese "Ausstellung „das historische Gesichtsfeld, mit dem wir auf den Zweiten Weltkrieg zurückblicken können, vergrößert". „Sie zeigen eine andere Art der Tapferkeit und Mut, die es in dieser finsteren Epoche auch gab, den Mut des Widerstehens und der Verweigerung. Diese Ausstellung erweitert unser Wissen um das Geschehen des Zweiten Weltkriegs, aber sie dokumentiert auch Formen menschlicher Größe und von Heldentum, die nicht durch Orden und Fahnenschmuck glorifiziert werden", erklärte Holland. Zu Beginn führte Annette Peters von der Friedensinitiative Nottuln in das Thema ein. Sie skizzierte die Geschichte eines Deserteurs, um deutlich zu machen, um was geht. Die Ehrung des unbekannten Deserteurs zum Beispiel in Form eines Denkmals, so erklärte sie, sei selbst in der Initiative umstritten. Aus Sicht der Initiative stelle die Ausstellung die Frage nach der grundsätzlichen Notwendigkeit des Militärs. Den Kirmestrubel empfand auch Holland als nicht ganz passend für die Ausstellung. Er sah aber im Herbst 1989 durchaus Verknüpfungspunkte: 50 Jahre nach Kriegsausbruch, 40 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Das brisante Thema Desertion, so der stellvertretende Bürgermeister, sei für Nottuln „nicht ungewöhnlich und neu". „Wir haben Gedenkfeiern für unsere jüdischen Bürger und zum Kriegsausbruch durchgeführt, und unsere Hauptschule trägt - wie man damals sicher gesagt hätte - den Namen der Deserteure Geschwister Scholl". Deutlich schilderte Holland, der den Krieg als Kind und auf der Vertreibung aus Ostpreußen erlebte, den Konflikt, dem sich damals tausende Männer und Frauen stellen mussten. „Wenn ich daran denke, was die jungen Männer, die man damals zum Kriegsdienst zwang, an seelischen Nöten erdulden und an Gewissensqualen erleiden mussten, dann bin ich stolz und glücklich darüber, dass ich heute Bürger eines Staates bin, der seinen Wehrpflichtigen die Wahl lässt zwischen dem Dienst in den militärischen Streitkräften oder einem waffenlosen Ersatzdienst in unseren sozialen Einrichtungen", betonte Holland. Ein Musikstück, vorgetragen vom Hiltrud Erning Consort, sowie zwei eindrucksvolle Textbeiträge der Schriftsteller Hansjörg Bahmann und Raimund Köhn schlossen die Ausstellungseröffnung ab. Ich beteilige mich an der Ausstellung, weil ich darin die Möglichkeit sehe, die Betrachter zum Nachdenken zu bringen und dadurch etwas für die Erhaltung des Friedens zu tun. Beschreibung Stahlschweißarbeiten
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